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Kathleen Willamowski
Altes Menschheitssymbol Labyrinth

Früher dachte ich immer, Labyrinthe seien Irrgärten. Ausschließlich Irrgärten. Sie wurden ja immer als Labyrinth bezeichnet. Diese Irrgärten fand ich immer lustig, weil ich als Kind schon dieselben in Rätselzeitschriften fand und ich mich über meinen Trick freute, der mich immer zum Ziel führte. Dieser Trick war schlicht und einfach: Ich musste mich immer nur an der rechten Wand entlang bewegen. Dann kam ich zum Ziel. Immer. Unweigerlich landete ich dabei aber auch in Sackgassen. Hätte ich den Trick nicht gekannt, wäre ich sicher so manches Mal nicht weitergekommen und hätte nicht mehr aus dem Labyrinth herausgefunden.

Dann heirateten Nachbarn. Zur Hochzeit denken sich die Gäste lustige, schöne, schlüpfrige, alberne oder auch ernste Spiele aus, um die Hochzeit unvergesslich werden zu lassen. Vieles ist bekannt, und das ärgerte mich. Ich wollte nichts machen, was schon jeder kennt. Ich dachte an ein Labyrinth, also an einen Irrgarten. Den wollte ich als Murmelbahn gestalten. Das Hochzeitspaar sollte die Murmel ans Ziel bringen. Und für mein Vorhaben benötigte ich eine Vorlage. So verbrachte ich ein wenig Zeit in der Bibliothek, um mir Bücher über Labyrinthe auszuleihen. Dort war jedoch kaum etwas zu finden. Bis auf einen dicken Wälzer von Herrmann Kern. Er heißt schlicht und einfach: "Labyrinthe".

Was ich darin fand, faszinierte mich. Es waren natürlich auch die Irrgärten abgebildet, die ich ja ursprünglich suchte. Doch musste ich meine bisherige Vorstellung vom eigentlichen Labyrinth gründlich korrigieren. Ein Labyrinth kennt keine Irrwege und Sackgassen. Es kennt nur einen Weg. Den Weg.

Ich lernte, dass das Labyrinth ein uraltes Menschheitssymbol ist, seit Tausenden von Jahren schon. Es wurde für Initiationsriten eingesetzt. Für die Geburt eines Kindes, für den Übergang vom Mädchen zur Frau oder vom Jungen zum Mann, für Hochzeiten, für den Tod. Man betrachtete es ebenfalls als Symbol für den Lebensweg.

Man ritzte dieses Symbol in Felsen, fand es auf Grabsteinen, auf Kalenderstäben, als Trojaburgen, als Mosaike, auf Gemälden, auf Münzen, in Kirchen, als Pilgerweg, als Rasenlabyrinthe oder gelegt aus Steinen. Das Labyrinth ist auf der ganzen Welt zu finden.

Ich bin Hebamme und machte aus den unterschiedlichsten Gründen heraus eine Weiterbildung zur Trauerbegleiterin. Ein Grund war sicherlich die Annahme, dass Geburt und Tod mehr Gemeinsamkeiten haben als man zunächst annehmen mag. Beides kann man als Übergang verstehen. Persönlich glaube ich, dass Anfang und Ende einander bedingen.

Dass das Labyrinth ein Symbol für die Geburt und für den Tod und für die Zeit dazwischen, für den Lebensweg, sein sollte, fand ich deshalb wunderbar. Das Thema ließ mich nicht mehr los.

Mein erstes echtes Labyrinth, das ich gestaltete, war natürlich die Murmelbahn für die Hochzeit meiner Nachbarn. Sie kam, so glaube ich, gut an. Seitdem begleitet mich das Labyrinth mal mehr, mal weniger, aber stetig. Für mich ist es selber zu einem Symbol für das Leben geworden.

Sehr schön schreibt Gernot Candolini dazu:

Das Leben ist
beständiges Gehen
im Labyrinth
Ankommen
und Aufbrechen
zur Mitte finden
und sie wieder verlassen
sich wenden müssen
und immer weiterkommen

Tonkugel von Kathleen Willamowski

Dann gestaltete ich ein Labyrinth aus Ton. Als Kugel. Und weil ich den Weg ganz gleichmäßig haben wollte, veränderte ich die zunächst kreuzförmige Mitte so, dass eine Raute entstand. Dort, wo der Eingang zum Labyrinth führt, war noch eine freie Fläche, so dass ich den Eingang spiralig auslaufend verlängerte. Auch da wollte ich den Weg gleichmäßig gestalten und so entstand ein kleines Dreieck. Wenn man es genau nimmt, ist auf der Kugel nun nicht das Labyrinth selbst, sondern der so genannte Ariadnefaden (= Weg im Labyrinth) zu sehen. Dabei machte ich eine erstaunliche Entdeckung: Die Kugel hatte große Ähnlichkeit mit dem Kopf eines Neugeborenen mit seinen Schädelknochen und Fontanellen. Fontanellen sind die Öffnungen des knöchernen Schädels, die nach spätestens zwei Jahren miteinander verwachsen sind. Das Labyrinth wird wegen seiner vielen Windungen auch gerne mit dem Gehirn in Verbindung gebracht. Damit hatte ich nicht gerechnet. Mir gefiel das Ergebnis anfangs nicht, gerade wegen des Vergleiches.

Andererseits faszinierte es mich.

Die Raute auf meiner Kugel entspricht genau der großen, viereckigen Fontanelle. Wenn man überlegt, dass Fontanelle (aus dem altfrz.) übersetzt Quelle oder auch Brunnen bedeutet und bei einer Geburt aus Schädellage die Fontanellen meist gut zu tasten sind und man sich an ihnen als Hebamme orientiert, finde ich den Vergleich wiederum sehr, sehr spannend. Und wenn die Fontanelle ein Begriff für Quelle ist und diese wiederum für Ursprung steht, bekommt das Ganze für mich nun eine größere Bedeutung.
Die große Fontanelle eines Babys pulsiert.

Im Buddhismus nimmt die ehemalige Stelle der großen Fontanelle einen wichtigen Platz ein. Man glaubt, dass dort bei Eintritt des Todes das Bewusstsein den Körper verlässt. Es wendet sich einer höheren Ebene zu. Diese Stelle soll deshalb nach Eintritt des Todes zuerst berührt werden.

Auch im Yoga spielt die große Fontanelle eine wichtige Rolle. Dort befindet sich das Sahasrara-Chakra, auch Scheitel-Chakra oder Kronen-Chakra genannt. An dieser Stelle besteht eine Verbindung zwischen Himmel und Erde, Seele und Gott.

Nach Auffassung der traditionellen chinesischen Medizin befinden sich genau an dieser Stelle außerordentlich wichtige Akupunkturpunkte, da sie eine aufhellende Wirkung auf die Psyche haben. Man findet unterschiedliche Angaben zur genauen Lokalisation in diesem Bereich. Der Punkt in der Mitte des Kronen-Chakra heißt „Du 20 Baihui" oder LG 20 und wird durch die vier Sonder-Punkte Sishencong verstärkt. Man nennt sie nicht ohne Grund „Die vier Weisen". Sie öffnen die Verbindung nach oben zu höheren Energieebenen. Andere Autoren wiederum lokalisieren den Punkt LG 19 oder LG 22 auf dieser Stelle.

In „Das große Lexikon der Symbole" von M. Zerbst und W. Kafka wird bei dem Wort Fontäne auf den Begriff Quelle verwiesen. Es wird beschrieben, dass Heiligtümer häufig mit Quellen und Brunnen in Verbindung gebracht werden. „Im Alten Testament wird Gott selbst als „Quelle des Lebens" bezeichnet. Im Islam bedeutet eine Quelle den Zugang zu Wissen oder Erkenntnis bzw. die Öffnung des „Auges des Herzens". (1)

Ich konnte nicht in Erfahrung bringen, warum die Fontanellen des Schädels gerade diesen Namen erhielten. Doch hat insbesondere die große Fontanelle schon seit Jahrhunderten in den unterschiedlichsten traditionellen Heilkünsten eine große Rolle gespielt. Ich glaube nicht, dass diese Namensgebung als Begriff für Quelle ein Zufall ist.

Die Raute wiederum, erfuhr ich aus demselben Buch, steht gleichzeitig für das weiblich-schöpferische Prinzip, symbolisiert die Vulva und gilt als Lebenskraft-Symbol von Fruchtbarkeitsgöttinnen. (2)

Der Weg durch das Labyrinth wird „Der Faden der Ariadne" genannt. Diesen Faden reichte Ariadne Theseus, als er gegen den Minotaurus im Labyrinth kämpfte. Mit ihm sollte er wieder den Weg zurück finden.

Legt man einen Ariadnefaden, entsteht immer eine Raute, die ich mit der Fontanelle in Verbindung bringe. Ich sehe im Labyrinth seither einen viel höheren Symbolgehalt als ihm ohnehin schon zugeschrieben wird, gerade auch Geburt und Tod betreffend. Es scheint vorher noch niemand in dieser Art und Weise betrachtet zu haben. In meinen Recherchen konnte ich derartige Vergleiche nicht finden. Somit habe ich für mich das Labyrinth neu interpretiert. Und großen Gefallen daran gefunden.

Quellennachweis

(1) Das große Lexikon der Symbole, Marion Zerbst, Werner Kafka S. 341;
(2) Das große Lexikon der Symbole, Marion Zerbst, Werner Kafka S. 346;
Hrsg. Prof. Dr. Rainer Dierkesmann / E.A. Seemann Verlag 2003

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